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gamescom 2017 Recap – Insiderbericht: Die gamescom 2017 durch die Augen eines Indie-Entwicklers

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gamescom 2017 Recap – Insiderbericht:
Die gamescom 2017 durch die Augen eines Indie-Entwicklers

Ein abgedunkelter Keller, in dem fünf junge Männer zwischen 18 und 22 Jahren an vernetzten Computern sitzen und pixelige Retrospiele programmieren – so oder so ähnlich stellen sich die meisten Menschen Indie-Game-Entwickler vor. Dass diese Ansichten nicht mehr ganz zeitgemäß sind, möchten ByteRockers‘ Games der Welt zeigen. In den letzten knapp neun Jahren entwickelte sich das Indie-Studio ByteRockers‘ Games mit Sitz in Berlin vom Entwickler kleinerer Handyspiele und mittelgroßer Strategiespiele für den PC zu einer Spieleschmiede mit mittlerweile zwanzig Angestellten und verschiedensten Spielen auf diversen Plattformen – darunter die PlayStation 4, Oculus Rift und HTC Vive. Das Wort „Indie“ leitet sich vom englischen independent ab: unabhängig also. Unabhängig von großen Publishern und noch größeren Geldgebern. Irgendwann kommt man jedoch als „kleiner“ Entwickler an den Punkt, dass man sich nicht mehr vor den „Großen“ verstecken kann. Möchte man ganz oben mitspielen, muss man sich ansehen, wie es bei den „Großen“ läuft. Also entschlossen wir uns, dieses Jahr zum ersten Mal in unserer Firmengeschichte auf der gamescom 2017 in Köln vertreten zu sein: Die Regionalliga trifft auf die Champions League.

Blizzard, Sony & Electronic Arts

Wir hatten uns vorgenommen, drei Tage auf der gamescom zu verbringen. Das Gelände ist in zwei Bereiche eingeteilt. In sieben der zehn doppelstöckigen Hallen, die eine Gesamtfläche von mehreren Tausend Quadratmetern haben, wurde für die Fans und das allgemeine Publikum seitens der größten Spiele- und Hardwareentwickler alles aufgebaut, wovon das Gamerherz träumt. Am beeindruckendsten waren ohne Zweifel alle Stände von Blizzard Entertainment. Jede Ausstellungfläche jedes einzelnen Spiels war bis ins kleinste Detail vollgepackt mit Dingen, die es zu entdecken galt. Sei es die echte Taverne inklusive Kamin aus dem Spiel „Hearthstone“, überlebensgroße Actionfiguren aus „Overwatch“ oder diverse Menschen in Kostümen, die zwischen den zahlreichen Computern herumliefen und zum gemeinsamen Foto einluden. Anders sah es da leider bei Sony aus: Zwar hatten die Japaner auch eine große Bühne aufgebaut und sogar einen Truck in die Halle gefahren, leider aber war beinahe jeder Stand durch meterhohe Pappwände von den Blicken der Öffentlichkeit abgeschirmt. Hier sieht man leider eine Entwicklung, die wir persönlich bedauernswert finden. Vor zehn Jahren konnte man auf der gamescom während der Wartezeiten überall anderen beim Spielen zusehen und bekam so bereits einen ersten Eindruck seines Lieblingsspiels. Auch mussten die Spiele nicht zwangsweise kurz vor dem Release stehen und perfekt in Szene gesetzt werden. Hier würden wir uns wünschen, dass die Abschottung wieder etwas zurückgefahren wird und auch wieder Ausblicke auf Spiele riskiert werden, deren Fertigstellung noch in weiter Ferne liegt. Alles in allem hatten wir aber am ersten Tag sehr viel Spaß. Auf den zahlreichen Bühnen wurde viel geboten, dank Electronic Arts, die mit hunderten Rechnern vor Ort waren, konnten wir auch Toptitel wie „Assassins‘ Creed Origins“ spielen und nicht zuletzt war es als Branchenvertreter interessant zu sehen, dass sich unsere Kanzlerin das erste Mal die Ehre gegeben hat und nicht nur die gamescom 2017 offiziell eröffnete, sondern auch nochmals betonte, dass Computerspiele definitiv zum Kulturgut geworden sind. Hoffen wir, dass auch dieser Trend weiter anhält.

Der Blizzard-Stand auf der gamescom 2017

Erst das Vergnügen, dann die Arbeit

Nun waren wir jedoch nicht nur zum Spaß hier, sondern wollten Kontakte knüpfen. Also ging es am zweiten Tag in die drei anderen Hallen der Business Area. Hier merkten wir schnell, dass Spiele spielen leider wesentlich lustiger ist, als Spiele machen. Die Business Area besteht eigentlich aus vielen großen und kleinen undurchsichtigen Würfeln bzw. vier hohen Wänden, hinter denen sich die Vertreter der einzelnen Firmen improvisierte Büros aufgebaut haben, um hier ihre Termine abzuarbeiten. Also haben wir das gemacht, was fast jede kleine Firma auf dem Weg nach oben machen muss: Klinken putzen. Unter den über 200 Firmen, die dort vertreten waren, besuchten wir gefühlte 198 von ihnen. Für jene, die sich das besser vorstellen wollen, läuft das in etwa so ab: Wieder und wieder fragt man nach einem Termin oder jemandem, der kurz Zeit hätte, sich unsere Spiele anzusehen. In 90 Prozent der Fälle holt man sich ein kaltes Business- „leider nein“ ab. Doch manchmal hat man auch Glück und jemand hat gerade einen freien Slot. Dann gilt es, sich von seiner besten Seite zu zeigen und in kürzester Zeit sein Projekt vorzustellen. Wenn die Firmen dann Interesse haben, tauscht man Kontaktdaten aus und geht nach der gamescom ins Detail. Auch wir fanden glücklicherweise Firmen und Publisher, denen unser Spiel gefiel und die sich eine mögliche Zusammenarbeit mit uns vorstellen können.

Byte Rocker im Total War Doomwheel auf der gamescom 2017

Work hard, play hard, party hard

Die gamescom schließt gegen 18.30 Uhr ihre Pforten. Danach sind die Tage aber für die meisten Fachbesucher noch nicht vorbei. In ganz Köln gibt es etliche Abendveranstaltungen, auf denen man weiter über Games, Hardware und Kooperationen redet. Hier gibt es die verschiedensten Angebote: Vorträge, Meetups, Ausstellungen oder Partys. Im Schnitt tummeln sich etwa 200–400 Personen auf diesen Abendveranstaltungen – mit Ausnahme der großen Partys zu später Stunde, wie der von Warner Bros. Entertainment, die mit ihrem Spiel „Shadow of War“ vor Ort waren und kurzer Hand einen ganzen Club mieteten, in dem knapp 500–1.000 Menschen und gefühlte 50 Orks inklusive voller Kriegsmontur aßen, tranken und tanzten. Letzteres ist inklusive wilder Orks natürlich ein Highlight gewesen.
Da „Rock“ schon in ByteRockers‘ Games steckt, haben wir dann auch genau das getan. Zuerst ging es zu einem Virtual Reality (VR) Meetup, auf dem wir im kleinen Kreis die neueste VR-Hardware testen durften. Unter anderem gab es hier die erste Plattform, auf der man ohne Sicherung laufen konnte, die ersten kabellosen Geräte und – unser Favorit – den ersten VR-Handschuh inklusive Minivibrationsfunktionen. Das erste Mal virtuellen Regen auf der Haut zu spüren war beeindruckend.
Generell war es erstaunlich zu sehen, dass der VR-Hype noch lange nicht abebbt. Schon auf der gamescom konnten wir diverse Geräte begutachten, die das virtuelle Erlebnis um ein Vielfaches verstärken. Sei es ein mechanischer Sitz, der sich um alle Achsen bewegen kann, das erste VR-Fitness-Gerät oder eine Massagematte, die einen mit Hilfe einer VR-Brille an einen Strand bringt, an dem es sich gleich nochmal besser relaxen lässt. Hierzu werden wir demnächst noch einen eigenen VR-Bericht schreiben.
Nach all dem Zocken und Ausprobieren hatten wir uns ein kühles Bier verdient und feierten mit vielen neu gewonnenen internationalen Freunden in bester ByteRockers‘-Manier bis in die frühen Morgenstunden. Es ist schon toll zu sehen, dass sich von den USA bis nach Japan Tausende Menschen auf den Weg nach Deutschland machen, um hier Teil einer immer stärker wachsenden Games-Industrie zu sein.

Besuchermassen auf der gamescom 2017 in Halle 5.2

Am Ende zurück zu den Wurzeln

Jemand hatte mal gesagt: ,,Wer hart feiert, kann auch hart arbeiten.“ Naja wir taten am letzten Tag zumindest unser Bestes. Ein letztes Mal gingen wir in die Hallen der gamescom. Dieses Mal hatte uns der Kaufrausch gepackt. Und was sollen wir sagen: HOLY MOLY! Nicht nur Publisher und Entwickler aus der ganzen Welt waren auf der gamescom vertreten, sondern auch Merchandise-Artikel-Verkäufer. In kürzester Zeit hatte jeder von uns ein nerdiges Mitbringsel gefunden und war glücklich, dass wir uns durch die zig Tausenden Menschen gekämpft hatten. Zum Ausklang ging es für uns in die Indie Booth Arena. Hier erlebten wir, wie die gamescom sein sollte. 80 Spiele aus 26 Ländern waren hier ohne Trennwände in einer eigenen Area aufgebaut. Man war umzingelt von kleinen und mittelgroßen Indie-Spielen auf allen erdenklichen Plattformen. Hier stand ein Retro-PC-Spiel neben einem Nintendo SWITCH-Titel und keiner war der Meinung, dass man etwas verstecken müsse. An jedem Stand gab es einen Vertreter des Entwicklerteams, mit dem man sich unterhalten konnte und dem man Fragen zum Spiel stellen konnte. Bitte nicht falsch verstehen: Die nett anzusehenden Damen in knappen Kostümen an den großen Ständen und auf den Bühnen sind klasse. Aber wenn man auf die Idee kommt, ihnen eine Frage zu seinem heiß ersehnten Spiel zu stellen, merkt man, dass es hier manchmal eben doch eher um Schein als Sein geht.
In der Indie Arena fühlten wir uns natürlich pudelwohl. Hier konnten wir den Rest des Tages mit anderen Entwicklern über unsere neuen Projekte für die Nintendo Switch und die PlayStation-VR sprechen, konnten Ideen austauschen und haben einen Eindruck davon bekommen, was uns 2018 auf der gamescom erwartet. Denn ja: ByteRockers‘ Games hat Blut geleckt und wir haben uns nach unserem Ausflug zu den Big Playern dazu entschieden, nächstes Jahr auch auf der gamescom mit einem Ausstellungsstand und brandneuen Spielen für die Switch und die PlayStation im Gepäck vertreten zu sein. Wahrscheinlich eher nicht mit einer Bühne, Hostessen und Merchandise-Artikeln, aber auf jeden Fall umringt von vielen anderen tollen Indie-Games. Denn das wollen wir bleiben: ein Indie Entwickler, dem seine Spiele, seine Community und das Gaming an und für sich immer noch an erster Stelle stehen.

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