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Bleed for This (2016) – Filmkritik

Bleed for This Rakuten TV Filmkritik

Bleed for This (2016) Filmkritik

 

Boxerfilme sind geprägt von dem Klassiker der Filmgeschichte: Rocky. Sylvester Stallone boxt sich von ganz unten an die Spitze der Weltrangliste. Rocky ist auch die Geschichte von einem heruntergekommenen Geldeintreiber, der aus einfachen Verhältnissen und mit wenig Bildung, aber mit viel Talent und Durchhaltevermögen zu einem Superstar wird. Eine Version des „American Dream“ sozusagen, vom Tellerwäscher zum Millionär. Der Ruhm und das viele Geld sind jedoch eine weitaus größere Herausforderung als Rockys Boxkämpfe selbst. Hierdurch zeichnet zeichnet sich die Filmreihe auch durch ihre gesellschaftskritischen und dramatischen Aspekte aus.
In den Kinojahren nach Rocky erschienen immer immer wieder Filme über Boxlegenden, die entweder von deren Aufstieg erzählen (Russell Crowe in „Das Comeback“) oder von deren Fall (Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“). „Bleed for This“ ist viel mehr, als man erwartet und beweist Eigenständigkeit.

Inhalt

Bei Filmkritiken ist es immer schwierig zu entscheiden, inwieweit die Handlung verraten werden darf ohne der Spannung des Films zu schaden. Am besten, man informiert sich nicht im Vorhinein über das Leben des Boxers Vincenzo Edward Pazienza, um genauso blauäugig (ja, ein kleines Wortspiel muss sein) an „Bleed for This“ heranzutreten.
Soviel sei verraten: Miles Teller spielt den Boxer Vinny Pazienza, der sich in den 80er Jahren eine solide Boxkampf-Statistik erkämpft hat. Das Problem ist jedoch, dass Vinny sich vor den Kämpfen immer stark dehydrieren muss, um auch weiterhin in der Leichtgewicht-Klasse boxen zu dürfen. Der erste große Titelkampf steht an und er bekommt durch seinen Manager einen neuen Trainer vermittelt. Aaron Eckhart („Sully“ „The Dark Knight“) spielt Kevin Rooney, der bereits Mike Tyson trainiert hat.

 

© SONY Pictures Entertainment 2017

Das Spiel mit den Filmerfahrungen

Nach dieser kurzen Einleitung hat jeder Leser sofort ein grobes Handlungsgerüst für einen Boxfilm im Kopf. Entweder er kämpft sich mit Hilfe der „einzigartigen“ Methoden seines neuen Trainers nach oben oder/und wird sehr schnell erfolgreich, der Ruhm steigt ihm zu Kopf, Drogen und schlechte Beziehungen zeigen eine vernichtende Wirkung auf das Boxtalent. Vinny wird jedoch einen anderen Weg wählen bzw. aufgezwungen bekommen als man erwartet. Das passiert so abseits der üblichen Hollywood-Erzählmuster, dass die Entscheidungen und Beziehungen viel besser nachvollzogen werden können, weil sie die Realität wesentlich authentischer abbilden.

Das ist vor allem Miles Teller („Whiplash“ „War Dogs“) zu verdanken, der hier nicht nur starke körperliche Veränderungen aufweist, sondern in seinem Spiel unbekannte Facetten zeigt. Vinny „Der tasmanische Teufel“ ist im realen Leben eine markante Persönlichkeit, die mit viel Witz, Optimismus, Ehrgeiz, aber auch Schwächen eine schauspielerische Herausforderung darstellt und Teller meistert sie mit Bravour. Ein guter Film lebt selten von nur einer Persönlichkeit und in „Bleed for This“ bringt hier Trainer Rooney, verkörpert von Aaron Eckhart ins Spiel. Er verleiht der alkoholkranken Figur viel Menschlichkeit und etwas Melancholie, ohne dass der Film auf ihre Vergangenheit eingeht. Der Trainer ist auch die wichtigste Bezugsperson für Vinnie, er ist der Einzige, der ihn versteht und wirklich sein Wesen kennt. Bei Vinnies Familie mit italienischen Einwandererwurzeln und typisch herzlicher Art, hat man nie das Gefühl, dass es darum geht was der Sohn wirklich möchte. Er ist eben das finanzielle Zugpferd der Familie und wird auf diese Weise behandelt.

Bleed for This Film-Stream Rakuten TV ab 3,99 €

© SONY Pictures Entertainment 2017

Eigenständigkeit auch durch filmisches Handwerk

Die Familie verfolgt die Kämpfe ausschließlich vor der Flimmerkiste. Es werden alte Originalaufnahmen aus den 80er und 90er Jahren gezeigt, aber auch authentisch nachgedrehte Momente wie Interviews, Nachrichten und Boxübertragungen. Die Boxkämpfe zeichnen sich nicht durch eine möglichst sportliche Darstellung aus. Die Kamera schwenkt hektisch und hat ab und zu auch eine schlechte Sicht auf den Ring. Man erhält so den Eindruck, selbst am Kampfring zu stehen. Durch diese ungünstige Sicht bleiben die Runden spannend und man rutscht nervös auf der Couch hin und her. Die Darstellung von Zeit ist dem Regisseur Ben Younger besonders gut gelungen. Die Qualen eines langen Trainings oder die Langeweile beim Warten auf den nächsten Kampf sind so ehrlich mit einfachen Bildern und Schnitten dargestellt, dass der Film dadurch ein Erlebnis wird.

Fazit

„Bleed for This“ ist kein Film, der sich im Genre des Boxfilms verstecken muss. Er beweist nicht nur, welch bemerkenswertes Talent Miles Teller und Aaron Eckhart besitzen, sondern kann dem Genre auch neue Aspekte abgewinnen – ein Film so emotional und aufwühlend wie ein guter Kampf und das Leben selbst.

 

Bleed for This
Informationen & Cast & Crew

Bleed for This Filmkritik Poster

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Bleed for This (2017;deutsch/englisch/französisch/spanisch) Stream bei RakutenTV

Genre

Drama

Regie

Ben Younger

Schauspieler

Musik

Julia Holter

Kamera

Larkin Seiple

Schnitt

Zachary Stuart-Pontier

Veröffentlichung

18.11.2016 (USA)

Filmlänge

117 Minuten

FSK

ab 12 Jahren
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