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Gimme Danger Filmkritik & Trailer (2017)

Iggy Pop und The Stooges Musikdokumentation Gimme Danger

Gimme Danger Filmkritik & Trailer (2017)


© Studiocanal

Als Musik noch ein gefährliches Pflaster war

Es ist unmöglich, über die Musikdokumentation „Gimme Danger“ zu schreiben, ohne auf den Regisseur, Autor und Initiator dieses Rockband-Portraits über „The Stooges“ einzugehen: Jim Jarmusch. Sein Name prägt das amerikanische Independent-Kino wie kein anderer. Er gehört zu den Wenigen, die das Recht an ihren Negativen haben und die volle Kontrolle über die Produktion ihrer Filme behalten, von der Ideenfindung bis zum Kinoplakat. Seine Filme wie „Ghost Dog“ (1999), „Broken Flowers“ (2005) oder „Only Lovers Left Alive“ (2013) sind Geschichten, in denen die Figur und nicht die Handlung im Mittelpunkt steht. Diese Portraits enthalten eine Vielzahl an alltäglichen Ritualen und geben dadurch ein realitätsnahes Verständnis für die Personen, immer mit einem gut verknüpften Netz aus Deutungen und einer feinen Prise Humor. Jarmusch ist als jugendlicher Draufgänger mit der Musik von Iggy Pop und den Stooges aufgewachsen. Als Filmemacher lernt er Iggy kennen und beide freunden sich an. Jarmusch hat bereits eine Musikdokumentation über Neil Young „The Year of the Horse“ (1997) gedreht und nach dem endgültigem Album der verblieben Stooges „Ready To Die“ (2013) konnte Jarmusch nicht anders und musste die abwechslungsreiche Irrfahrt der Band aus Detroit erzählen.

 

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Nicht ohne Iggy Pop

Was heißt erzählen? Das überlässt er lieber Iggy Pop, bürgerlicher Name James Newell „Jim“ Osterberg, der sich bemerkenswert genau an eine von Drogen durchtränkte und fast 50 Jahre alte Entstehungsgeschichte der Band erinnern kann (inklusive Namen von Mitbewohnern und Drogendealern). „The Stooges“ oder „Iggy & The Stooges“ gelten als Wegbereiter für unterschiedliche Musikrichtungen wie Punk, Grunge oder Industrial. Aber die Band bediente sich auch anderer Musikstile, wie zum Beispiel Garage, Blues oder Psychedelic-Rock. Die Stooges beeinflussten wiederum bekannte Bands wie Sonic Youth, Sex Pistols, Guns n’ Roses oder Rage Against the Machine. Wer sich mit Musik beschäftigt, kommt an den prägenden, gerade einmal zwei Alben der Band bzw. am Künstler Iggy Pop nicht vorbei.

Iggy erzählt offen und ehrlich über seine Kindheit und den Weg über eine Vielzahl von Musikern zum Kernteam der Stooges. Die Geschichten werden mit einem punkigen Filmschnitt von Archivmaterial, Liveaufnahmen, Fernsehsendungen oder Cartoons locker erzählt. Jarmusch hält aber Abstand von einer Aufklärung der Klatschpresse-Gerüchte über Iggy selbst, spricht es auch nicht an. Es ist musikalisch irrelevant, wer welche Drogen genommen und mit wem geschlafen hat. Außerdem bekommt die Dokumentation „Gimme Danger“ somit einen viel besseren geschichtlichen Blickwinkel, warum aus der 68er Revolution über die „Love and Peace 70er“ ein Musikgenre mit „Schlag ins Gesicht“-Profil und einer Wildheit entstanden ist, die sich in kein Radioprogramm pressen lässt.

 

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Inhalt von Gimme Danger

„Gimme Danger“ beginnt gleich mit dem, wofür sich die meisten interessieren: Dem Absturz. Die Band ist auf einer orientierungslosen Tour nach ihrem letzten Album durch fragwürdige Kneipen und Seitenstraßen mit jeder Menge Drogen und Schlägereien im Gepäck unterwegs. Wenn der stark unterernährte Iggy eine Glasflasche an den Kopf bekommt, quittiert er es mit der Bemerkung, man könne es nächste Woche noch einmal versuchen ihn zu erledigen. Die Band, körperlich und musikalisch an die Grenzen gekommen, zerbricht darauf. Jeder geht entweder zurück in die Heimat oder beginnt ein neues Leben. Jarmusch hat ab diesem Punkt unsere Aufmerksamkeit und es beginnt eine Reise von der Vorschulband über Erfahrungen in San Francisco, immer wieder Detroit, bis hin zur Enstehung des letzten Albums in London mit der Hilfe von David Bowie. Die Reunion mit den verbliebenen Bandmitgliedern in den 00er Jahren wird nur kurz zum Ende gezeigt und setzt auch den Schlusspunkt der Doku. Das erzählerische Gewicht liegt auf den interessanten, kleinen Geschichten und Anekdoten von Iggy und seinem kritischen Blick auf die Musikindustrie von damals. Das bringt uns auch wieder in das Jetzt und Hier, da diese gewinnorientierte Musikproduktion von leicht verdaulichen Songs weiterhin die Kreativität in den aktuellen Musikcharts blockiert. Die Stooges hatten eben den Freiraum und die Zeit für Spontaneität, die ihre Musik so einzigartig macht.

Fazit

Das Musikportrait liefert nicht den Exzess, der erwartet wird. Es gibt keinen Abriss von Schlagzeilen, Skandalen und Abgründen, wie es die üblichen Biografien zeigen. Das haben die Stooges in den 70ern ausreichend gelebt und Zitat Iggy: „die 60er Jahre ausgelöscht“. Die Zufälle, der Wunsch Rock´n´Roll zu leben und einen Dreck darauf zu geben, ob es den anderen gefällt oder nicht, sind nur ein paar Dinge, die „The Stooges“ zu einem rostigen Stahlträger der Musikgeschichte gemacht haben. Gänzlich ohne Luxusvillen, Musiktrophäen und Welttournees.

 

Gimme Danger
Informationen & Cast & Crew

Iggy Pop und The Stooges Musikdokumentation Gimme Danger

Trailer

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Ab sofort

Genre

Dokumentation

Regie

Jim Jarmusch

Schauspieler


  • Iggy Pop

  • Ron Asheton

  • Mike Watt

  • Scott Asheton

  • James Williamson

  • Danny Fields

Schnitt

Affonso Goncalves, Adam Kurnitz

Drehbuch

Jim Jarmusch

Veröffentlichung

05.08.2016

Filmlänge

108 Minuten

FSK

keine Altersbegrenzung

 

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Filmkritiker, Gründer von blog-fluxkompensator.de, Cinemaniac mit Schwäche für japanische Filme, Animes und asiatisches Essen.

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