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Sabine, Autorin und Bloggerin

Sabine Wirsching bei einer Lesung ihres Romans "Druckstaueffekt - Soundcheck Berlin" © Privat

Sabine Wirsching bei einer Lesung ihres Romans „Druckstaueffekt – Soundcheck Berlin“ © Privat

Nicht ohne Grund hat sich Rakuten Storytellerin Sabine Wirsching eine Amazone mit Schreibfeder auf ihre rechte Schulter tätowieren lassen. Denn das Schreiben ist nicht nur ihr Beruf, sondern auch ihre Leidenschaft: Seit 2010 hat sie einen Blog, dem mittlerweile 560 Leser folgen. Außerdem hat Sabine im letzten Jahr ihren ersten Roman veröffentlicht und demnächst werden zwei Kinderbücher folgen.

 

Auf deinem Blog bezeichnest du dich als „Schreiber“ und als „Rock ‘n‘ Rolla“ – was verbirgt sich für dich hinter diesen Begriffen?

Den Begriff „Schreiber“ habe ich mir ausgesucht, weil er mich beschreibt, ohne mich der sogenannten „Autorenszene“ zuzuordnen. Zu ihr zähle ich mich (noch) nicht, denn dafür muss ich mich meiner Meinung nach noch sehr viel öfter beweisen. Der Begriff „Rock ’n’ Rolla“ steht einfach für meine Liebe zu der Musik, die aus diesen Wurzeln gewachsen ist: Ich bin kein Punk, kein Metaller, keine Rockabella, kein Psycho – vielleicht bin ich von allem etwas, vielleicht auch nichts. Auch in diesem Fall stehe ich der „Szene“ in gewisser Weise nahe, da ich mit manchen Merkmalen durchaus (zum Teil auch sehr) sympathisiere, wie zum Beispiel mit dem Motto „Do what you wanna do“, den Tanzkleidern oder den Tattoos. Aber ich möchte nicht auf diese Szene beschränkt werden und vor allem die Musik hören, die mir gefällt –  ohne mir erst das passende Outfit zulegen zu müssen.

 

Du hast 2015 den Roman „Druckstaueffekt – Soundcheck Berlin“ veröffentlicht, in dem es um eine junge Frau geht, die in der turbulenten Hauptstadt nach dem (Liebes)Glück sucht. Gerade arbeitest du an deinem zweiten Roman. Worauf dürfen sich deine Leser dieses Mal freuen?

Ich weiß nicht, ob „freuen“ das richtige Wort ist – aber sobald der Roman erscheint, freue ich mich auf jeden Leser, der sich in meine Geschichte über Liebe, Depression, Co-Abhängigkeit und eine desaströse Beziehung begeben mag (lacht). Und ich darf verraten: Wie beim „Druckstaueffekt“ wird es erneut kein klassisches Happy End geben. Auch in meinen Kurzgeschichten steht am Ende eigentlich nie ungetrübtes Glück – das ist schon fast zu einer Art Markenzeichen meiner Texte geworden.

 

Sabines Erstling vor prominenter Kulisse © Privat

Sabines Erstling vor prominenter Kulisse © Privat

Wie kommt es dazu?

Ehrlich gesagt: keine Ahnung! Früher hätte ich gesagt: weil ich nicht daran glaube. Inzwischen glaube ich schon daran, aber das Leben ist ja selten da zu Ende, wo bei einem Hollywood-Film der Abspann kommt. Und „Happy Weitermachen“ gibt’s bei meinen Geschichten durchaus.

 

Du hast auch eine Kinderbuchreihe gestartet. Sie handelt von einem grünhaarigen Jungen namens Oskar Kuchenbuch und dreht sich um die Themen „Geben und Nehmen“, „Freundschaft“ und „Fantasie“. Was hat dich als Noch-nicht-Mutter zu diesem Projekt bewogen?

Das Kind einer Freundin und mein Tätowierer! Ich lag unter der Nadel und philosophierte mit ihm über verrückte Namen. Er erzählte mir, dass er immer eine Band namens „The Golden Shower Boys“ hatte gründen wollen, und ich berichtete von einer Freundin, deren Sohn den putzigen Nachnamen „Kuchenbuch“ hat. Dirk und ich alberten ein bisschen mit dem Namen herum und am Ende stand der Vorsatz: Sollte ich jemals ein Kinderbuch schreiben, dann über den kleinen Kuchenbuch.

 

Wie wurde dann daraus eine konkrete Idee?

Die Geschichten selbst entstanden zuerst als Nebenprojekte zu meinem zweiten Roman – oder wie meine Mutter treffender formulierte: „Du fängst was Neues an? – Wohl Probleme mit dem Roman!“ Anfangs machten mir diese Probleme mit dem Roman tatsächlich sehr zu schaffen und ich suchte nach einer Ablenkung. Aber spätestens als die Meetings mit den beiden Illustratorinnen der Kuchenbuch-Bücher, Julia May und Franzi Lenz aka DeFranzy, begannen, wurde die Ablenkung zur (zwischenzeitlichen) Hauptsache und der Roman rückte in den Hintergrund: Das Kinderbuchprojekt wurde nämlich immer bunter und vielversprechender und hat auch immer mehr Zeit eingenommen. Jetzt bin ich sehr gespannt, wie das Ergebnis aussehen wird – die ersten beiden „Kuchenbücher“ erscheinen im Anfang Dezember. Und um ein bisschen Eigenwerbung zu machen: „Oskar Kuchenbuch und die sauren Gurken“ sowie „Oskar Kuchenbuch und der dunkelrote Dauerlutscher“ können passend zu Weihnachten vorbestellt werden.

 

"Oskar Kuchenbuch"- Illustration von Julia May Sabine Wirsching © Privat

„Oskar Kuchenbuch“- Illustration von Julia May Sabine Wirsching © Privat

Du hast Germanistik und Kulturwissenschaften studiert und als Buchhändlerin gearbeitet. Hat dir dieser Hintergrund beim Schreiben deiner Bücher geholfen?

Ich wünschte, ich könnte die Frage bezüglich meines Studiums mit „ja“ beantworten. Aber selbst wenn ich theoretisch wissen sollte, was ein Fachbegriff wie „Stream of Consciousness“ bedeutet, so hilft das mir noch lange nicht, zu beschreiben, was in meinen Figuren vorgeht. Mehr gebracht hat mir tatsächlich die Lehre als Buchhändlerin – wenn auch nicht inhaltlich. Sie war eher hilfreich, als es darum ging, meinen ersten Roman unter die Leute zu bringen. Da waren die Kontakte zu alten Kollegen unschätzbar – genauso wie das Wissen, dass mein Buch nur eins unter Millionen von Neuerscheinungen ist. Das relativiert Anfälle von Arroganz sehr schnell wieder (lacht).

 

Vor kurzem wurde enthüllt, wer hinter dem Pseudonym Elena Ferrante steht. Eigentlich wollte die Bestseller-Autorin anonym bleiben und hat angekündigt, nun nie wieder etwas zu veröffentlichen. Kannst du verstehen, dass jemand nicht mit seinen eigenen Büchern in Verbindung gebracht werden will?

Gute Frage! Ich stelle manchmal fest, dass Texte von mir, die ich selbst eher als banal empfinde, bei der Leserschaft am besten ankommen: Da hagelt es nur so Lob. Andere Werke, in die ich viel mehr  Mühe investiert habe, bleiben hingegen nahezu unbeachtet. Da denke ich mir manchmal schon: Wieso kann ich nicht einfach eine Schmonzette schreiben, in der ein geheimnisvoller Fremder zu Fesselspielen verführt, und den Gewinn in das investieren, was ich wirklich machen will? Auf der Schmonzette würde ich meinen eigenen Namen dann natürlich nicht lesen wollen. Umgekehrt würde ich unter meinem Namen nichts schreiben, hinter dem ich nicht auch stehe – was nicht bedeutet, dass ich angesichts früherer Formulierungen nicht öfter Grimassen ziehen muss oder nicht schon mal einen ganzen Blog gelöscht hätte (lacht). Manche Texte haben eben ein Verfallsdatum, aber das bedeutet auch, dass man sich weiterentwickelt.

 

Du schreibst in deinem Berufsalltag bei Rakuten und privat sowohl für deinen Blog als auch an deinen Büchern. Hast du manchmal auf Deutsch „die Schnauze voll von Worten“?

Nein, von Worten an sich eigentlich nie. Was mich oft „die Schnauze vollhaben“ lässt, ist die harte Arbeit drum herum: Um einen Roman zu Ende zu bringen, braucht es eine Menge Kraft. Und mindestens dasselbe Maß an Power muss man hinterher noch einmal aufwenden, um einen Verlag zu finden und das eigene Projekt über Social Media bekannt zu machen. Auf diesen Teil könnte ich gut verzichten, um stattdessen an meinem Schreibtisch zu sitzen, und etwas Neues zu schreiben. Aber um mir einen persönlichen Assistenten für das Marketing leisten zu können, müsste ich mindestens drei Bestseller hinlegen, schätze ich.

 

Was tust du, wenn dir keine Ideen für einen Text kommen wollen?

Nicht schreiben und mein Elend beklagen (lacht). Nein, im Ernst: Wenn es um Produktbeschreibungen oder Newsletter geht, kann ich inzwischen dank einiger Routine zum Glück eine Art Schalter umlegen und auf bewährte Rezepte zurückgreifen. Hier bekommt man ja in der Regel auch Eckdaten, mit denen man arbeiten kann. Bei belletristischen Texten sieht das anders aus: Wenn nichts kommt, dann kommt nichts. Die berühmte Angst vorm weißen Blatt muss man einfach aushalten – ich zumindest muss das wohl, wie es aussieht.

 

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Er ist gebürtiger und überzeugter Kölner. Trotzdem hat er den Geißbock Ende 2015 freigelassen und ist nach Berlin gezogen. In seiner Freizeit dilettiert er auf verschieden Gebieten: Literatur, Fotografie und asiatische Kampfkünste. Irgendwann wird er das alles hinschmeißen und als Life-Coach über den Balkan reisen.

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