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Bear Family Records GmbH
Ougenweide
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Ougenweide - All die weil ich mag (CD)

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Produktbeschreibung

1-CD-Album mit 40-seitigem Booklet, 22 Einzeltitel, Spieldauer 76:28 Minuten. 

Als Ougenweide 1971 auf einem lokalen Schulfest erstmals öffentlich auftraten, war die Hansestadt Hamburg ein Ort, wo es rundum brummte. Alles vibrierte, wie in großen Hafenstädten üblich. Der Unterschied: In Hamburg rumorte es so, als würde die Stadt an einer geologischen Bruchstelle liegen. Hamburg war in zweifacher Hinsicht 'komisch' ? einmal im Sinne von 'zum Lachen', dann aber auch in der Bedeutung von 'seltsam' und sogar ein bißchen 'bizarr'. Damit unterschied es sich von anderen Hansestädten wie Bremen und Lübeck, wo es vergleichsweise ruhig und zahm zuging. Hamburg war damals einmalig in ganz Europa, ein einziger gigantischer Schmelztiegel.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, auf welchem Fundament es zur Gründung von Ougenweide kam, muß man sich Hamburg als eine Kreuzung aus diversen Städten vorstellen: Man nehme die Hafenstadt-Atmosphäre und einen niedrigen Lebensstandard wie in Marseille und Liverpool; nicht ganz die Dekadenz von Amsterdam, was in etwa dem schillernden Leben auf St. Pauli mit einer Mischung aus Gewalt und Sex entsprach; dem füge man ein Wetter wie in Kopenhagen und London hinzu, und dann lasse man die Klischees weg. Lange bevor man Städte wie das vorgelagerte Pinneberg erreichte oder andere Orte mit eigenen Autokennzeichen, gab es Vororte mit Schrebergarten-Idylle und fast ländlichem Charakter.

Auch was die Sprache angeht, schien es in Hamburg Brüche zu geben (was Ougenweide womöglich im Zuge der weiteren Entwicklung zugute kam). Im Zug nach Hamburg-Altona  wurde Hochdeutsch gesprochen. Auf der Reeperbahn, im berüchtigten Rotlicht-Distrikt, der den Mond über Soho blütenweiß erscheinen ließ, glitt man immer mehr in Hamburger Dialekt und Slang ab, und in den Hafenkneipen kommunizierte man auf Plattdeutsch oder in welcher Sprache auch immer sich die Seeleute auf Landgang unterhielten. Von welchem Standpunkt auch immer betrachtet: Hamburg war ein ernster Fall von Persönlichkeitsspaltung.

Die Beat-Szene der Stadt aus den frühen 60er Jahren ist in die Geschichte eingegangen. Hamburg war ein offenes 'Beat-Mekka', in dem Bands vom Mersey River, deren Namen zu bekannt sind, als daß sie hier wiederholt werden müßten, neben deutschen Gruppen wie den Rattles im Star-Club spielten. Hier profilierten sich viele Beat-Formationen mit Rock 'n' Roll und R&B. Zurückgekämmte Pomade-Frisuren und schwarze Lederklamotten standen für ? um eine beliebte Floskel zu gebrauchen ? den Abstieg so manchen Bürgensöhnchens aus gutem Hause.

Über Hamburgs Folk-Szene ist weniger berichtet worden. Dagmar Krause ? 1964 noch minderjährig ? hatte ihre ersten Auftritte in Pseudo-Jazzclubs und in Läden am Hafen, die angesagt waren. Folk hatte den Durchbruch noch nicht geschafft, eine echte Clubszene existierte nicht. Die Liedermacher-Flut setzte erst 1968 ein, da viele der Protagonisten erst nach dem Krieg geboren worden waren. Auch glaubte niemand daran, daß Beat oder Folk mehr sein könnte als eine Zwischenstufe auf dem Weg in einen seriösen Job oder ? bestenfalls ? in die Knechtschaft des Schlagergeschäfts. 

Obwohl Hamburg ein guter Nährboden für alle musikalischen Aktivitäten war, hat sich hier in den Mittsechzigern keine Folk-Clubszene entwickelt wie etwa in England, wo solche Clubs im ganzen Land wie Pilze aus dem Boden schossen. Die Hamburger Folkszene war vielmehr an der Kopenhagener Szene orientiert, bzw. nur ein schwacher Abklatsch davon. In der dänischen Hauptstadt gab es das Purple Door, Las Vegas, Folklorry und Vise-Vers-Huset. Hamburg hatte zwar eine Mischung aus Jazz- und Folkclubs ? doch viele Folk-Amateure oder -Halbprofis brachten es zu kaum mehr als Auftritten bei Universitätsveranstaltungen, und mußten sich ? bezahlt oder auch nicht ? mühselig durchschlagen.


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