Unsere kleine Bürstenkunde - Welche Bürste und welche Faser zu welchem Zweck?

Unsere kleine Bürstenkunde - Welche Bürste und welche Faser zu welchem Zweck?

 

Der Besatz

So werden die Fasern oder Borsten der Bürsten genannt. Je nach Verwendungszweck werden folgende Materialien verwendet:

 

Besätze aus Naturfasern

Naturfibre, auch Mexico- oder Tampicofibre genannt, wird aus den Blattrippen der Agave-Pflanze " Agave lechuguilla", die auf dem mexikanischem Hochplateau wachsen, gewonnen. Diese Fasern zeichnen sich durch ein sehr hohes "Wiederaufricht"-Vermögen aus und sind zudem hitze-, säure- und laugenbeständig sowie hautfreundlich.
Verwendet wird diese Fibre (engl.=Faser) in Wischern, Schrubbern, Spül- und Scheuerbürsten sowie im Körperpflegebereich bei Bade- und Massagebürsten.

Bassine ist eine Faser der Blattrippen der "Palmyra"-Palme, welche in Indien und Sri Lanka beheimatet ist und deren Stammes- bzw. Wurzelmark das stärkehaltige Nahrungsmittel "Sago" liefert. Sie ist wie alle Pflanzenfasern nassfest, findet hauptsächlich in Straßenbesen Verwendung und wird sehr häufig mit Fibre zur Union-Borste gemischt. Desweiteren wird sie häufig für die Herstellung von Ofen- und Heizkesselbürsten verwendet.

Union-Borste ist ein Faser-Mix aus Naturfibre und Bassine und eine sehr harte und grobe Borste. Sie wird für starke Verschmutzungen ebenfalls in Schrubbern, Wischern sowie Wasch-und Scheuerbürsten verwendet. Da die Borste beim Reinigen den Untergrund nicht angreift, werden mit ihr z. B. auch Topfbürsten hergestellt.

Arenga, eine schwarze, grobe und sehr widerstandsfähige Pflanzenfaser, wird aus den Blattfasern der asiatischen Zuckerpalme "Arenga saccharifera" gewonnen und ist feiner und weicher als andere Palmenfasern, aber dennoch sehr zäh und elastisch. Sie wird hauptsächlich in Besen und Handfegern für den Außenbereich oder für grobe Böden z. B. in Hallen und Werkstätten verwendet.

Bahia; eine grobe, dunkelbraune und elastische Pflanzenfaser der Palme "Attalea funifera", die hauptsächlich im feuchten sandigen Boden des ostbrasilianischen Bundesstaates Bahia gedeiht. Mit ihr werden Besen für den Außen- und Baubereich hergestellt.

Kokos wird aus der Nuß der Kokospalme "Cocos nucifera", die ebenfalls überwiegend in Sri Lanka und Indien vorzufinden ist, gewonnen. Diese Faser liegt zwischen der lederartigen Schale und dem Kern der Kokosnuss. Sie wird für Handfeger und Besen für trockenen, groben Schmutz verwendet. Da sie bis zu 30 cm lang werden kann, werden aus ihr auch Matten und Läufer geflochten.

Sisal entstammt den Blattfasern der in Mexiko vorkommenden Sisalpalme. Aufgrund ihrer Widerstandskraft werden aus ihr Läufer, Matten, aber auch Massagehandschuhe und Ähnliches geflochten. Weniger geeignet ist sie für Bürsten oder Besen.

Reisstroh stammt von der "Sorghumhirse", daher ist der Begriff eigentlich etwas irreführend. Diese Hirse ist in den suptropischen Ländern sowie im Balkan verbreitet; aus dem gesamten oberen Teil der Pflanze wird das "Sorghostroh" zur Herstellung der "Reisstrohbesen" gewonnen. Diese Besen wurden in Deutschland erst in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch aus den Balkanländern zugewanderten Gastarbeitern bekannt.

Reiswurzel ist als Begriff der betreffenden Faser ebenfalls nicht ganz korrekt, da sie nicht einer Reispflanze, sondern einer Grasart namens "Zacaton" entstammt. Dieses Gras wächst wild als "Unkraut" im mexikanischen Hochland und ihre fein gewellten Wurzeln sorgen für diese äußerst harte Pflanzenfaser, die für extrem harte Scheuerbürsten verwendet werden. Ihr Name entstammt höchstwahrscheinlich dem spanischen Wort "Raiz" für Wurzel.

Piassava wird für Straßenbesen im gesamten Außenbereich verwendet und ist eine grobe, braune Blattstengelfaser der westafrikanische "Rahia"-Palme.

 

 

 

Besätze aus Tierhaar

Borste bzw. Schweineborste ist das "Haar" der europäischen sowie der chinesischen Hausschweine, welches an den Haarwurzeln wesentlich dicker ist als an den Spitzen. Somit kann man sie, indem man sie 1 - 2 mal durchschneidet, sehr vielseitig verwenden. Der härtere untere Schnitt eignet sich hervorragend für Kleider- und Nagelbürsten; der weichere obere Schnitt wiederum wird für Schuh- sowie (weichere) Bade- und Massagebürsten genutzt. Borste ist kochfest, hat die Eigenschaft, Fett aufzunehmen und wieder abzugeben und wird daher auch sehr viel zur Herstellung von Flaschen- bzw. Tüllenbürsten sowie Pinseln verwendet.

Rosshaar ist einer der am meisten genutzten Werkstoffe jedes Bürstenmachers und stammt heutzutage meist aus Südamerika. Es kommen ausschließlich nur die Haare von Schweif und Mähne zum Einsatz, welche sich wesentlich unterscheiden. Die Schweifhaare sind härter und finden Verwendung in Stubenbesen, feinen Handfegern und Spinnenfegern.
Zur Herstellung von feinen Staub- sowie Schuh-Glanzbürsten sind die weicheren Haare der Mähne idealer. Beide sind sehr elastisch und leicht staubbindend.

Dachshaar ist der klassische Besatz für hochwertige Rasierpinsel, da es durch seine gerundeten Spitzen die empfindliche Gesichtshaut weder reizt noch verletzt. Für unsere Rasierpinsel wird ausschließlich das hochwertigere Kammhaar aus der Rückenpartie des Dachses verarbeitet. Dieses sorgt durch seine Dichte und Feinheit für einen reichhaltigen und festen Schaum.

Wildscheinborste ist extrem widerstandsfähig und hart. Sie wird fast ausschließlich für Bart- und Haarbürsten verwendet, da sie sehr robust ist und sich deshalb auch sehr gut für langes oder halblanges Haar eignet.

Ziegenhaar ist das mit Abstand weicheste Material, das für unsere Bürsten verwendet wird und stammt von der chinesischen Langhaarziege. Es ist sehr dicht, fast weiß und eignet sich hervorragend als Besatz für Staubbürsten und -pinsel sowie für Babyhaarbürsten oder Kosmetikpinsel. Auch Spezialartikel wie unsere Heizungs(Radiatoren)-, Blätter- oder Bücherbürsten werden zum Teil damit bestückt.

 

 

 

 

Kunstfasern

Nylon ist die Bezeichnung für die hochwertige, weiße Faser "Polyamid 6.6". Sie ist widerstandsfähig, abriebfest und temperaturbeständig bis ca. 120° C. Verwendung findet sie in Qualitätsbürsten für Nassbereiche.

Polypropylen (PPN), die preiswertere Alternative zu Nylon. Sie ist eine flexible, abrieb- und wasserfeste Faser und verträgt Temperaturen bis ca. 90° C. Ihre Anwendungsgebiete sind Scheuer- und Spülbürsten sowie Schrubber und Wischer. Auch zur Herstellung von Autoschneebesen ist sie bestens geeignet.

Polyester (PBT), auch "Polybuthylenterephtalat" genannt, ist eine lebensmittelechte, maximal abriebfeste und UV-beständige Kunstfaser, die durch ihre Temperaturbeständigkeit von bic zu 120° C auch unter sehr hohen Temperaturen sterilisiert werden kann. Verwendung findet PBT bei Besen und Bürsten für die Lebensmittel- und Nahrungsindustrie sowie in Krankenhäusern und Arztpraxen.

 

 

 

 

Der Bürstenkörper

So wird der hölzerne Körper zur Herstellung unserer Bürsten genannt. Er wird aus den verschiedensten Holzarten gefertigt.
Zumeist sind dies Buche, Esche, Birnbaum, Eiche und im Körperpflegebereich auch sehr häufig Olivenholz.
Im Küchenbereich kommen noch Kirschbaum und Ahorn dazu.
Im Bade- und Wellnessbereich wird zudem immer häufiger das sogenannte Thermoholz verwendet. Mehr dazu erfahren in unserer Rubrik